Der Himmel in uns
Johannes 1,51 – 3.Sonntag nach Trinitatis (Konfirmation)

Jerusalema ikhaya lami
Ngilondoloze
Uhambe nami
Zungangishiyi lana
Ndawo yami ayikho lana
Mbuso wami awukho lana

Jerusalem ist meine Heimat
Schütze mich
Begleite mich
Lass mich nicht zurück
Mein Platz ist nicht hier
Mein Königreich ist nicht hier

"Jerusalema" – der Überraschungshit während der Pandemie. Der südafrikanische Song besingt auf Zulu das himmlische Jerusalem. Weltweit bringt der Musikproduzent Master KG damit Menschen zum Tanzen. Spontan entstandene Gruppen und organisierte Flashmobs füllen die sozialen Medien.

Wer die Videos sieht, spürt wie der im eingängigen Rhythmus bewegte menschliche Körper zum Verbindungsglied einer globalisierten Gesellschaft wird. Einer Menschheit, die sich mit ein und demselben Problem konfrontiert sieht: Einem tödlichen Virus, das zwischenmenschliche Beziehungen einschränkt und das Bedürfnis nach Hoffnung weckt. Und „Jerusalema“ versprüht tatsächlich Hoffnung – auch auf textlicher Ebene.

Jerusalem ist meine Heimat
Schütze mich
Begleite mich
Lass mich nicht zurück

singt Nomcebo Zikode. In Kombination mit dem Beat erinnert der Text an afroamerikanische Gospelmusik. Musik, die mitreißend das Evangelium verkündet und damit Hoffnung stiftet. Die Sängerin sagt dazu:

Mit Jerusalem ist ein spiritueller Ort gemeint,
an dem man Frieden findet,
es keine Sorgen, sondern nur Glück
und fröhliche Menschen gibt.

Jerusalem – ein Hoffnungsbild ohne Not und Leid, weil Gott dort gegenwärtig ist. Es gibt ein Wort aus dem Johannesevangelium, das mir dazu einfällt:

Ihr werdet den Himmel offen sehen.

sagt Jesus. – Ist Jerusalem, ist der Himmel der Ort, an dem Gott zuhause ist? Viele nehmen das an. Andere glauben, dass, wenn Menschen sterben, sie in den Himmel kommen und Gott ganz nahe sein werden. Dann ist das himmlische Jerusalem also ein Versprechen. Der Himmel stellt dir und mir etwas in Aussicht. Aber was?

Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.
Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen.
Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben,
kein Klagegeschrei und keinen Schmerz.

So ist es auf den letzten Seiten unserer Bibel beschrieben. Wir haben’s vorhin vorgelesen bekommen. All das Schwere, womit Menschen sich herumschlagen, wird es im Himmel nicht mehr geben. Dort wird Frieden sein. Gegensätze werden zusammenfinden, Widersprüche sich auflösen. Gott selber wird unter den Menschen sein. Jede und jeder kann ihn sehen. Alle werden sich selber endlich als die und der begreifen, die sie vor Gott sind: einzigartige Menschen, kostbar und unendlich geliebt.

Also muss der Himmel etwas Wunderbares sein. Kein Ort, eher vielleicht ein Zustand. Manche meinen, dass der Himmel über ihnen sei. Andere glauben, der Himmel ist in uns.

Halt an, wo läufst du hin?
Der Himmel ist in dir.
Suchst du Gott anderswo,
du fehlst ihn für und für.

dichtet Angelus Silesius schon vor 360 Jahren. Himmel und Gott haben also etwas miteinander zu tun. Wo das eine ist, da ist auch das andere. Und beides ist nicht weit weg und abgehoben, sondern in uns: Himmel und Gott.

Du und ich, wir alle sind Gottes geliebte Wesen. Das ist die Wahrheit des Himmels, der sich über uns allen geöffnet hat. Die Erfahrung des offenen Himmels haben wir auch im Konfi-Kurs erleben dürfen. Auch wenn die Konfi-Zeit ganz anders war, als wir’s zu Beginn im Herbst erhofft hatten. Und trotz der oft monatelangen Unterbrechungen. Wenn wir zusammen waren, hatte ich immer das Gefühl einer starken emotionalen Verbundenheit. In all eurer Unterschiedlichkeit seid ihr einmalige, wertvolle Jugendliche. Und wir haben erlebt, wie wunderbar ihr euch ergänzt habt: Einfühlsam und voller Respekt füreinander. Das ist ein herrliches Geschenk, auch für Sabrina und mich.

Ihr werdet den Himmel offen sehen.

Das kann nicht ohne Folgen bleiben. Das hat Konsequenzen. Der offene Himmel ist die Erkenntnis, dass mein Ursprung in Gott liegt. Dass ich göttliches Leben in mir trage. Und dass das, was ich zutiefst bin, nicht vergehen kann.

In diesem Bewusstsein lebe ich. Indem ich nicht nur an mich selber denke. Sondern offen bin für andere. Bereit, immer wieder neu anzufangen – auch miteinander neu anzufangen. Die andere, den anderen nicht in ein Bild zwänge. Für andere zu einem Geschenk werde, auf sie zugehe und mein Leben teile. Nach dem Heiligen frage. Heimat suche in großen Riten. Mich einer Wahrheit anvertraue, die größer ist als ich selbst.

Immer dann steht der Himmel offen. Wir können aus der spürbaren Nähe Gottes leben. Und uns dadurch auch füreinander auf neue Weise öffnen. Die Zuneigung Gottes und der wohlwollende Umgang miteinander werden zu einem Leitfaden für das Leben. Das wünsche ich für dich; und für mich auch. Amen.

 


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