Vom Berührbar-Sein

Jona 3+4 (Familien-Gottesdienst – 10.11.2019) 

 

Die Geschichte von Jona ist eine, die Mut macht, nicht zu sagen:
»Da kann man halt nichts machen!« Nein, ich kann immer wieder
neu anfangen! Und du auch. Das zeigt diese Geschichte.

Gott sagt zu Jona, er solle Ninive Strafe ankündigen für das schlimme
Verhalten der Menschen. Jona reagiert skeptisch: »Was soll ich denn sagen?
Das ist doch unangenehm, peinlich.« Jona hat versucht, mit einem Schiff
zu fliehen. Er wollte das nicht machen.

Gott aber gibt Jona eine zweite Chance. Nachdem der Wal ihn verschluckt
hatte und später wieder ausgespuckt. Gott ist schon da ziemlich geduldig:
»Du hast Mist gebaut, aber gut, wir fangen noch einmal von vorne an.«
Zweite Chance also. Und Jona geht jetzt wirklich los.

Trotzdem: keine schöne Aufgabe. Wer will schon gern unangenehme
Wahrheiten sagen. Aber Davonlaufen nützt manchmal nichts, das zeigt
Jonas Geschichte. Also geht Jona in diese riesengroße Stadt Ninive
und ruft zur Umkehr. Was wird er wohl gedacht haben?
»Die nehmen mich sowieso nicht ernst? Hört mir überhaupt jemand zu?«

Doch es geschieht etwas, das Jona überhaupt nicht erwartet hat:
Die Leute von Ninive nehmen seine Mahnung ernst!
Das gibt‘s doch gar nicht! Sie erschrecken! Sie begreifen, was falsch läuft.
Ja, selbst die Mächtigen sind bereit, ihren Lebenswandel zu verändern.
Unfassbar …

Diese Geschichte ist für den hebräischen Teil der Bibel aus zwei Gründen
bedeutsam. Zum einen: Der Zusammenhang vom Handeln und den Folgen 
wird durchbrochen. Das bedeutet: Menschen handeln auf bestimmte Weise.
Und in der Konsequenz folgen Lohn oder Strafe Gottes. Hier aber wird
ein neuer Anfang möglich. Menschen wird eine zweite Chance gegeben!
Das ist wichtig, weil oft behauptet wird, das sei nur im griechischen Teil
der Bibel, im Neuen Testament, der Fall. Nein, Menschen haben in ihrer
Beziehung zu Gott immer schon die Freiheit, etwas zu verändern.
Du kannst neu anfangen! Das ist die Botschaft, die Jesus zusagen wird:
»Du wirst nicht festgelegt auf die Vergangenheit. Umkehr ist möglich!«

Zum anderen zeigt die Geschichte: Auch Gott ist nicht statisch. Gott kann
das eigene Wollen verändern. Gott wollte in der Geschichte Ninive bestrafen.
Aber als Gott sieht, wie die Menschen um Veränderung ringen, reagiert er
mit Veränderung der eigenen Absichten. Das ist kein starres Gottesbild,
sondern ein Gott, der in Beziehung mit den Menschen lebt. Die Ewige,
die sich wandelt und Gnade vor Recht ergehen lassen kann.

Was interessant ist: Jona hatte auch eine zweite Chance bekommen.
Aber jetzt fühlt er sich geradezu blamiert. Weil Gott einen Rückzieher
macht, ist Jonas Selbstbild bedroht. Er hat Zerstörung vorausgesagt.
Sie wird aber nicht eintreffen. Jona ist enttäuscht. Es scheint ja, als hätte
er Falsches vorhergesagt. Denn die Umkehr der Menschen verhindert
den Untergang, weil Gott sich von dieser Umkehr beeindrucken lässt.

Diese Aussicht habe ich nötig! Gott ist berührbar. Er kennt dich und mich.
Und Gott kennt das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Dieses positive
Zutrauen Gottes ist eine Ermutigung zu handeln – selbst dann, wenn‘s aus-
sichtslos scheint. Es geht nicht darum recht zu behalten. Nicht mein Gesicht zu
wahren. Mich nicht um mich selbst zu drehn. Gott will mein Herz berühren. Amen.


Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen