
Von Freude, die aus innerer Festigkeit wächst
Jesaja 66,10.13 – Sonntag Lätare
Freut euch! Wie soll ich mich in diesen Tagen freuen? Wenn ich in der Früh schon in den Nachrichten mitbekomme, wie der Iran, Israel und die Ukraine vom Schrecken heimgesucht werden, von der Angst. Oder wenn ich mit einer schlimmen Nachricht konfrontiert bin. Wie soll ich mich da freuen?
Freut euch! Ich will euch trösten,
wie eine Mutter ihr Kind tröstet.
So steht es im Buch des Propheten Jesaja. Ein starkes Bild des Tröstens inmitten trostloser Zeiten: ein Kind, das in den Armen der Mutter Zuflucht findet. Dieses intime Bild berührt mich sehr. So will Gott dir und mir begegnen. Nicht mit überwältigender Macht und Stärke. Sondern mit zärtlichem Schutz. Gott lässt sich von Not berühren und berührt die Seinen und schenkt so Trost.
Das Wort Trost bedeutet ursprünglich ‚innere Festigkeit‘. Dahinter steht die Erfahrung, dass ich diese innere Festigkeit nicht aus mir selber bekomme, sondern erst im Miteinander gewinne. Um das Leben zu meistern, brauche ich eine innere Festigkeit. Denn das Leben ist nicht perfekt. Es ist nur begrenzt planbar, hat Risse, Brüche und Verwerfungen. Die äußere Festigkeit zerbröselt im Laufe eines Lebens dann und wann.
Freut euch! Ich will euch trösten,
wie eine Mutter ihr Kind tröstet.
Jede und jeder kann sich an Situationen erinnern, wo sie oder er getröstet werden musste. Vielleicht haben sich am stärksten Momente aus Kindertagen eingeprägt. Als ich gestürzt bin oder mich verbrannt habe und es unendlich wehgetan hat. Und die Mutter einen in den Arm genommen, mich hin und her gewiegt, die Wunden angeblasen und gesagt hat: »Es wird alles wieder gut!«
Aus solchen Erfahrungen körperlicher Nähe und Zärtlichkeit gewinne ich innere Stärkung, aus der neue Kraft und Zuversicht erwächst. Vertrauen wurzelt in der Erfahrung, dass ich mich verlassen und einlassen kann und dabei getragen werde. Daraus fasse ich Zu-trauen, mich etwas zu trauen. Ich traue dem Leben. Und werfe mich ihm in die Arme.
Freut euch! Ich will euch trösten,
wie eine Mutter ihr Kind tröstet.
Trost heißt nicht, dass wir Anspruch darauf hätten, dass alles so bleibt, wie es ist. Oder, dass alles gut wird. Unglück geschieht. Träume zerplatzen.
Auch die Taufe von Vincent ist keine Garantie für ein sorgenfreies Leben. Es geht nicht alles glatt, aber Gott tröstet. Die Taufe ist die Versicherung, dass Gott an unserer Seite bleibt, was auch geschieht. Das Vertrauen darauf nährt sich aus Beziehungen, in denen wir gehalten sind. Bei Freundinnen und Freunden, Partnerinnen und Partnern. Vincent bei seinen Eltern und Paten, in seiner großen Familie.
Es lohnt sich mit Gott zu leben. Das sage ich aus eigener Erfahrung. Gott schenkt Orientierung für den Weg, den ich wähle und Trost in schwankenden Zeiten, innere Festigkeit. Und wer so gefestigt ist, dessen und deren Herz öffnet sich weit. Und die Freude kann Kreise ziehen. Amen.